Bürger des Königreichs Flieden gründen ihre eigene Energie-Genossenschaft

Presseartikel vom 29.03.2012, fuldainfo

Am vergangenen Montag, 26.03. haben sich annähernd 150 Bürgerinnen und Bürger im Rathaussaal von Flieden versammelt, um ihre eigene Energie-Genossenschaft zu gründen. Bereits zu dieser ersten Generalversammlung wurden 246 Anteile à 100 Euro gezeichnet. Aus allen neun Ortsteilen haben sich engagierte Bürger bereit erklärt, ein Amt im Aufsichtsrat zu übernehmen, der insgesamt aus 14 Personen besteht. Erfreulich ist, dass sich eine Reihe junger Menschen dieser Verantwortung stellen. Die Zusammensetzung verspricht, ein breites Spektrum an Kompetenzen abzudecken.

In den Vorstand wurden Herr Bürgermeister Winfried Kress, der ab 1. Juli sein Amt an seinen Nachfolger Christian Henkel übergeben wird, sowie Norbert Stupp gewählt. Bürgermeister Kress betonte, dass die Gemeinde Flieden in den vergangenen Jahren im Sinne der erneuerbareren Energien bereits eine Menge geleistet und darüber hinaus bei vielen Baumaßnahmen hohe Energieeinsparungsstandards erzielt habe. Dennoch liege aber auf diesem Sektor noch ein riesiges Potential, das es umzusetzen und gemeinsam zu bewältigen gelte. Schließlich habe man sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren möglichst die gesamte Energie, die in der Gemeinde gebraucht werde, selbst zu erzeugen.

Mit der Bürger-Energie-Genossenschaft haben die Einwohner der Gemeinde nun so viel Einflussmöglichkeiten auf den Ausbau dieser Technik, wie nur möglich, denn die Generalversammlung gibt die Richtung vor. "Hier hat jeder Rederecht" unterstrich Lothar Jünemann, dem als Vorstand der Raiffeisenbank Flieden der Genossenschaftsgedanke ein echtes Anliegen ist. Seine Begeisterung war ihm anzumerken, als er die Vorteile einer Genossenschaft gegenüber anderen Gesellschaftsformen verdeutlichte. "Bei uns hat jeder Mensch eine Stimme, unabhängig von der Dicke seines Portemonnaies. Das schafft Vertrauen“, so Jünemann wörtlich. Selbstverständlich habe eine Energie-Genossenschaft das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften. Doch es seien nicht die Interessen des Kapitals, die hier immer das letzte Wort hätten.

Vorstandsmitglied Norbert Stupp machte deutlich: "Das Thema Energiewende erschöpft sich nicht auf Fotovoltaikanlagen. Es gibt viel mehr Möglichkeiten." Im nächsten Schritt werde nun beraten, mit welchem Projekt man in Flieden beginne. "Flieden ist nach Burghaun und Eichenzell nun die dritte Energie-Genossenschaft im Landkreis Fulda, die unter dem Banner Friedrich-Wilhelm Raiffeisens ihre Segel setzt. Am 19. April stehe eine weitere Gründung in Kalbach bevor und auch andere Gemeinden des Regionalforums Fulda Südwest hätten bereits ihr Interesse signalisiert", erklärte Alexander Sust, der Manager der lokalen Entwicklungsgruppe. Im Verbund gewinnen diese Genossenschaften an Einfluss. Sie werden in den nächsten Jahren etliche Millionen Euro in der Region in nachhaltige Projekte investieren. Wir hoffen, dass sich die Zahl der Energie-Genossen noch vervielfachen wird. Denn jeder Bürger kann Mitglied werden, so Regionalmanager Sust weiter. Beitrittsformulare liegen im Bürgerbüro des Rathauses Flieden aus.